Interview: Ralf Schlüter, Prozessanwalt

Zur Person

Name: Ralf Schlüter
Beruf: (Prozess-)anwalt
Studienorte: Heidelberg und Münster
Studiendauer: 8 Semester

Wie viel Zeit muss man als Prozessanwalt für die Gerichtstermine einplanen?

An etwa 2 bis 3 Tagen in der Woche finden meist die Verhandlungen statt. Es sind durchschnittlich 1 bis 2 Termine pro Verhandlungstag. Der Zeitaufwand steigert sich natürlich bei auswärtigen Terminen. Da kann schon mal ein halber Tag verplant sein.

Gibt es Vorteile als eher prozessorientiert arbeitender Anwalt?

Der Kontakt mit den Mandanten ist sehr eng. Es hilft einem auch dabei auf dem Boden zu bleiben und den Kontakt mit den wirklichen Problemen der Mandanten zu behalten.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Mandanten?

Überwiegend positiv. Die meisten sind sehr dankbar. Einige schenken einem sogar eine Kleinigkeit, wie z.B. etwas selbst Gebasteltes. Das ist für die meist aufwändig und das Schöne ist, dass es ehrlich gemeint ist.

Wie ist das anwaltliche Verhältnis vor Gericht zueinander?

Ausgesprochen gut. Ich persönlich habe da noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Gerade unter den jüngeren Kollegen herrscht ein sehr lockeres und unangespanntes Verhältnis.

Was ist das wichtigste beim Auftritt vor Gericht?

Sehr wichtig ist eine gute Vorbereitung. Man sollte unbedingt seine Akten studiert haben, um auch auf überraschende Wendungen reagieren zu können. Zudem ist Erfahrung ein wesentlicher Faktor. Mit der Zeit lernt man die Feinheiten schon kennen.

Wie hoch sind die durchschnittlichen Erfolgsquoten?

Das kann man schwer sagen. Aber das dürfte so bei 50/50 liegen.

Lohnt sich der Erwerb des Fachanwalts?

Grundsätzlich schon. Man sollte aber darauf achten einen Titel in einem Gebiet zu erwerben, das noch nicht überlaufen ist. Ich würde also eher zum Fachanwalt für Steuerrecht raten, als zum Erwerb des Fachanwalts für Arbeitsrecht.

Haben Sie einen abschließenden Ratschlag für junge Juristen?

Man sollte immer viel Einsatz bei den Mandanten zeigen und zügig arbeiten. Auch vermeintlich kleine Mandate können sich zu größeren entwickeln. Auf jeden Fall sollte man nicht arrogant wirken. Das verschreckt die meisten Mandanten. Außerdem sollte man sich zügig ein Netzwerk aufbauen. So kann man am besten an neue Mandate gelangen.

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